Süßes Alleinsein
09.10.2017

Gefühltes voraus nehmen endgültigen Abschieds
- von allem.
Die Vorstellung des Sterbens üben
- weg sein.
Dinge loslassen,
wie den vertrauten Menschen, der sich davongestohlen hat.
Wanken, fliegen durch haltlose Räume, verkrochen in Ecken finsterer Gedankenreiche.
Aber dazwischen schon
sich erinnern - gezielt,
an gelebte Beziehungen, bewahrte zeitlebens, ganz kürzliche, herzliche, sonst übersehene.
Ein Schimmern im Weinen der Brust.
Und erst danach, eine längere Weile danach, liegt die Welt mir wieder zu Füßen
und ich ihr.
Kontakte schwirren durch den Raum, Aufmerksamkeiten.
Einsame suchen sich,
lecken ihre Wunden,
heilen sich,
probieren einander vorsichtig.
Freche Annäherungen mit kleinen Erfolgen,
mit größeren Überraschungen.
Lebensgeschichten schwingen in die Dialoge,
Nuancen von Andersartigkeit,
Ängste davor,
Mut und Neugier dagegen.
Ausblick,
Horizonte - wie viel weiter,
wie viel mehr unterwegs
um anzukommen - bei mir,
wieder bei jemanden.
Zum beschenken
hin und her, ganz neu, aber wieder und wieder.
Alleinsein ist nicht süß, wenn ich wirklich bin allein, vereinsamt, verloren.
Gequält gelangweilt drängt Hoffnung - nach und nach
in die Vielsamkeit – die süße Zweisamkeit.
Stabiler nach innen und nach rings um
will ich erneut vereint sein und gelegentlich auch honigsüß - allein.

 



Lebenselixier
06.06.2012

... ist Verheißung, Wunsch, ist gewöhnliche und besondere wundersame Energie;
... sind all die vernünftigen natürlichen Lebens-, und Überlebensstrategien;
... sind Wahn und Wissenschaftstraum, sind Ideale und Idole;
... ist der reine Schluck Wasser wie der warme Tropfen Blut, das helfende Wort, die mutige Tat;
... ist mir mein Hund, ein spielendes staunendes lachendes Kind, die Flasche Bier;
... ist die Erinnerung, ist jeder neue Sonnenstrahl der mein Gesicht erhellt;
... ist die wärmende Decke, die wärmende Hand, sind Schneeflocken auf der Haut;
... ist dein bezaubernder Blick, dein Humor und Lachen;
... ist Neugier und Abendteuer, Freiheit und Lust;
... ist dein Reichtum, Geld genug, Risiko- damit das Blut in den Adern schneller vorwärts kommt;
... ist siegen und wieder verlieren, ist sich ergeben und bereuen;
... sind Verlust wie Gewinn- die beide zum stetigen Handeln treiben;
... ist die schier unendliche Routine, das ständig wiederholte kleine oder große Alltagsglück- auch im Angesicht eines einstigen oder plötzlich überraschenden Verlustes;
... ist Dankbarkeit für ein Lebenswerk und Lebensleistung, für nur eine große Tat oder tausend kleine, für Liebesmüh und Treue;
... sind all die Hoffnungen für diesseits und für jenseits, ist der Glaube an Gott und seine zukünftige Welt, der Glaube an die Wissenschaft, die Vernunft, den Sozialstaat, die Humanität, an den einen Menschen;
... ist die aufstrebende Jugend mit freier Sicht auf ein weites offenes Feld, ein schmerzfreies genüssliches altern, wärmende Erinnerungen, mit Würde Abschied nehmen;
... ist der ehrliche Blick in den Spiegel, auf meine alten Fotos, in die Zeitung, in den Kühlschrank, aus dem Fenster, in den Himmel, in die weite Welt.

 



Ein Porträt
09.02.2012

Das wie und wer eines jemanden ist nicht leicht zu ergründen. Beim Veranstalten einer Selbsteinschätzung geht es mir momentan ebenso. Auch habe ich vielleicht noch nicht gründlich genug darüber nachgedacht. Irgendetwas hindert daran, mich dieser Aufgabe zu stellen. Eine Ursache könnte neben der Aussichtslosigkeit befriedigender Antworten auch ein stiller Respekt gegenüber den eigenen verborgenen Seelenwelten sein. Oder die Befürchtung, es würden sich mit dem Versuch der Entschlüsselung des Rätsels "ich", gleich vielfach ähnlich schwierige Unterfangen auftun, wie z.B. die Beantwortung der Fragen von woher und wohin des Menschen allgemein, einschließlich seiner gesamten Welt?

Trotzdem..., "wie ich also bin", merke ich erst immer, wenn es passiert ist. Dann hieße es besser, "wie ich gerade war". Nun selbst dass ist nicht lange einfach, denn meine Erinnerung verklärt ständig, mein Gedächtnis selektiert und meine Wahrnehmung war sowieso speziell, so dass ein anderer Mensch zum Vorgang meiner selbstdefinierten Reflexion entsprechend ganz anderer Meinung sein würde. Und wie ich einmal demnächst oder gleich nachher sein werde, können wir beide, der/die andere nur gemeinsam spekulieren.

Also suche ich mir Aspekte aus dem nicht recht erfassbaren Ganzen meiner selbst, auf welche einigermaßen Verlass ist. Da wäre zum Beispiel dieser Sachverhalt:

Ich popele gerne in meinen Ohren, wahrscheinlich unnötigerweise häufiger als Ohrenschmalz zu ernten ist, mit einem Wattestäbchen oder anderem geeigneten Werkzeug. Dies geschieht in undefinierten Abständen zwar, aber offensichtlich mit wiederkehrender Dringlichkeit. "Ich darf mich dabei nicht verletzen", sage ich mir gelegentlich, d.h. also vor allem nicht zu tief eindringen.

Das Signal zu diesem Vorgang kommt aus dem Kopf, wo auch das (der) vermeintliche Ohrenschmalz sitzt, wenn es (er) denn vorhanden ist. Aber wie schon erwähnt, oft hat es (er) gar nicht die Zeit sich zu regenerieren und fehlt entsprechend. Häufig also täuscht mich das Signal, denn es ist nichts zu finden - außer Befriedigung. Ja richtig gehört, eine Befriedigung "niederer sexueller Natur" - hörte ich einmal jemanden diagnostizieren. Ich muss beipflichten, der Genuss ist zumindest vergleichbar. Diese kleine freudvolle nicht ganz ungefährliche Sucht scheine ich demnach auch mit anderen , wahrscheinlich weltweit verstreuten "Poplern" zu teilen.

Das bin ich also, einer von vielen, ein Gewohnheitsopfer übersteigerter Handlungsweisen mit Befriedigungscharakter. Und wir (also alle Betroffenen) sollten nie vergessen, wenn wir tiefer eindringen, meldet sich kurz Schmerz und dieser konkurriert dann mit dem "Glücks-jucken". Aber nur kurz hoffentlich, denn der Schmerz sollte das Signal zu erhöhter Aufmerksamkeit sein, zum Rückzug des Werkzeugs und zu präzieserer Vorgehensweise, zur Rettung vor dem Durchstoße mit Gehirntod. Das wäre dann die Befreiung (bei mir zumindest) von einer mehr geliebten als gehassten Gewohnheit, durch die Befreiung von mir (uns) selbst.

Welche charakteristischen Aspekte meines "Ichs" sind derzeit noch einigermaßen verlässlich zu beschreiben? Meine beiden "Morgensteifigkeiten". Hier streiten sich natürliche Welten. Es konkurriert der Spieltrieb an der allmorgendlich aus ungeklärten Gründen aufgestandenen Männlichkeit mit den Bestrebungen den Rückenschmerzen des die ganze Nacht herum gelegenen Körpers zu entfliehen. Diese beiden unterschiedlich bedürftigen "Versteifungsarten" sind in gleicher Weise schnellstmöglich in einen Normalzustand rückzuführen. Nur das sie sich leider nicht besonders gut ergänzen, im Gegenteil, an Wirkung aufheben. Lust raubt Schmerz, Schmerz verhindert Lust. Beides deutet aber auf noch vorhandenes Leben hin.

Da beide angedeuteten "Verhärtungen" global betrachtet ebenfalls jeweils unzählige "Nachahmer" und "Mitbetroffene" haben könnten, ist vielleicht nur das gemeinsame duetthafte Auftreten einschließlich oben erwähnter "Neigung zur exzessiven Ohrpopelei" und ergänzend, dass in den Zwischenzeiten bisher noch nicht erwähnte Bemühen um Kreativität, in der Gesamtheit betrachtet ein einigermaßen Markenzeichen und Charakteristikum meiner selbst, also was nur mich konkreter beschreibt sein könnte. Na ja, vielleicht gibt es da oder dort noch so einen ähnlichen Fall. Aber prinzipiell könnte ich somit (damit) als Original bezeichnet werden. Es ist einfach nicht leicht ein eigenes Profil zu erstellen, bei den Unmengen von Ähnlichkeiten in Bezug auf Charakteristiken, Qualitäten, Lastern usw., welche jeweils bunt gemischt auf Unmengen von Menschen verstreut anzutreffen sind. Ich hoffe dieser Versuch bringt die angestrebte Klarheit in Bezug auf meine Person. Und....ich sollte mich weiter beobachten, ob evtl. irgendwann weitere Anzeichen auf Fortschritte zur Höherentwicklung zu verzeichnen sind?!

 



Spätfolgen (02. 03. 2012)

„Es ist nie zu spät“, sagt das Leben. Aber manche Dinge schwört man unbedacht so herauf, dass das Leben einfach nicht anders kann, als einer unbeschwerten bisher unversehrten personifizierten Unvernunft ihre körperliche Unbescholtenheit zu rauben. „Einmal musste es ja kommen“, hätte ich längst eher denken können. Jetzt ist es gekommen und alles ist vorbei. Es ist die Strafe für mein leichtfertiges Kunstschaffen. Obwohl, leicht machte ich es mir seid jeher nicht. z.B. bei der Verwirklichung einer verspielt gewonnenen Idee, die meistens so viel Begeisterung in mir auslöste, dass am Ende alles wieder zufällig folgerichtig in körperlich schwere Arbeit ausufern musste. Das eben ist genau diese Leichtfertigkeit, für die ich nun leide, …dass ich es mir zu schwer gemacht habe.
Ich weiß andere leiden mehr, leiden schon länger und das gesamte Elend der Welt ist nicht in Worte zu fassen. Aber jetzt bin ich mal dran. Und es tut richtig weh, so dass ich meine, das Wort „Schmerz“ zu verstehen. Vielleicht gibt es ja noch stärkere Schmerzen, aber mir reicht er, zumindest vielleicht genug für die Erlaubnis mitreden zu dürfen, und endlich wiedermal kurz nachzudenken.
„Was wäre, wenn es nicht mehr aufhört“. Was kann ein Bildhauer noch tun, wenn er gefühlt in zwei Hälften geschnitten ist, in ein oben und ein unten, getrennt durch einen feurigen Schnitt, …wenn er die geniale Erfindung einer Schnürsenkel- Schleife nicht mehr selbst binden kann, …wenn er keine Bewegungen mehr machen kann, die den Spuren seiner Werkzeuge folgen müssen? So ein scharfes Werkzeug scheint jetzt in meinem Rücken zu stecken, mit wiederkehrender Wirkung, sogar beim nur rumstehen, rumsitzen, rumliegen, rumgucken. Es muss eine Augenweite sein- mein Schongang!
„Die Rache der toten Bäume“, denke ich. Welche Schmerzen könnten Bäume leiden müssen schon seid Jahren, wenn sie diese Fähigkeit hätten, während ich ihnen mit scharfen Messern von zehntausenden Umdrehungen in der Minute getrieben, oder mit ruhigem Handschlag eine neue Identität aufzwinge spanabhebend?!
Nein, es ist die Rache der Dummheit“ hat der Bildhauer zu denken, während er vor Schmerzen lachen könnte. Und sich fragen, ob er eine Invalidenrente bekäme, ob sie höher als die ständigen Ausgaben ausfällt? Er denkt an all die banalen Dinge, wie schön sie sind und wie sie voller Glückseligkeit gleich neben ihm liegen, …allerdings nur fast erreichbar.
Ja das ist wohl wahr: „Wir Menschen nutzen uns ab“, so oder so. Das betrifft die Faulen und die Fleißigen und alles was dazwischen liegt gleichermaßen.
Aber sollte man nicht ein bisschen klüger werden währenddessen. Meine Spätfolgen haben sich derzeit im unteren Bereich der Wirbelsäule, in Beckennähe manifestiert. Genau dort wo seid Jahren mein Schwachpunkt lag im Kampf mit den höheren Gewichtsklassen meiner selbst erschaffenen Golems, geschwächt beim gemeinsamen Tanz mit den überlebensgroßen Figuren auf der Sackkarre*, ins Auto hinein und wieder hinaus, schieben zum richtigen Platz, im legen und stellen, drehen und heben.
In der Mitte ungefähr haben mich meine liebevoll geschaffenen Kreaturen angenoggt (angenagt). Genau dort, wo mich der Arzt mit seiner Nadel gestochen hat. Dort wo die Röntgenschwester ihre geheimnisvollen schwarz- weiß Fotos geschossen hat. Ja und warum gerade dort, wo in der Nähe und vor allem auch auf der gegenüberliegenden Vorderseite, hin und wieder lebensspendende Funktionen ausgeübt werden wollen. Also denke ich darüber nach bei unveränderter Situation, erstens kurzentschlossen meine Freundin in die Freiheit zu schicken, zweitens dass meine neue Internetseite noch nicht fertig ist und ob es überhaupt jetzt noch Sinn macht sie fertig zu stellen, denn schließlich gehört sie in den Bereich einer aktiven Arbeitswelt. Dann wünschte ich noch, dass mich meine Kinder und Enkelkinder hoffentlich gelegentlich besuchen und ich weiter ihren Elan freudig mitfühlend teilen kann.
Ich denke über mein Kunsterbe nach, ob es Last oder Gewinn sein könnte? Denke …egal, Hauptsache es gibt keinen Streit bei der Nachlassverwurstung zwischen denen, die mir lieb und wert sind. Ich würde dann später, wenn es mir endgültig reicht, einen klugen Spruch als Abschied in meinen Internet- Blog stellen. Ungefähr so: „…das Leben war schön genug für mich“, oder mehr als Tipp für die Zurückbleibenden: „…gebt aufeinander acht im Guten“.
Dann würde ich versuchen mein Leben zu beenden, sage ich jetzt ungeschützt. Dafür bräuchte ich allerdings noch etwas Beratung. Aber wer macht schon so was gerne. Da kommt bei einer Anfrage eher die Bemerkung: „…das wird schon wieder, gib dir etwas Zeit“, oder: „ich kenne da noch eine Einreibung, auf die schwört meine Arbeitskollegin“ usw. Das zielt dann alles eindeutig wieder auf Lebensverlängerung und somit Schmerzverlängerung.
Doch kühn gedacht, vielleicht könnte man ja wirklich, wenn die Schmerzen nicht wären, wenigstens kleinere Formate machen, oder könnte wenigstens mit Stiften herum kritzeln, dann würden eventuelle Ausstellungsaufbauten nicht zur körperlichen Tragödie führen, sondern spielerisches Frohlocken bleiben, fröhliche Erntezeit! Selbst ungestraftes skrupelloses Nichtstun wäre dann vielleicht auch möglich, …über alles staunen, …alles und alle umarmen, und freundlich lange Abschied nehmen. Ja was wäre aber, wenn die angewandte Balsamierung Wirkung zeigte, die Körperhälften wieder zueinander fänden? …Dann wären diese Worte noch ein Lächeln wert, missratene Vision, …dann wären die Spätfolgen zu früh gekommen!

*Sackkarre: handgeführtes zweirädriges (gummibereiftes) Gefährt zur Beförderung von Lasten



...alles Gute zum 82. !

Gedanken zum tot sein …aber wahrscheinlich keine Sterbehilfe
…in Gedenken an meinen Vater (30. 10. 2011)


Zwischen oben und unten…
geht meine Vorstellung in Bezug auf „tot sein“, trotz dass die Erde bewiesenermaßen keine Scheibe mehr ist, zunächst immer noch nach unten …bis unter die Erde, also dorthin wo die Füße aufhören beginnend und noch einige wenige Meter tiefer. Allerdings ertrage ich diese Vorstellung nicht lange, … verschüttet sein, …nicht mehr atmen in Finsternis,…Enge.
Trotzdem müsste man es erleben können „ tot zu sein“, um es besser zu verstehen?! …aber uns Sterblichen ist ja leider nur das Sterben vergönnt zu erleben, nicht das tot sein?! Zumindest kenne ich niemanden, der mir über das „tot sein“ je berichtet hätte – wie könnte er auch?!
Der Wunsch hingegen, „wo sein zu wollen danach“ wenn ich die Wahl bekäme, tendiert in Richtung Luftraum, also oberhalb des Kopfes eines stehenden Menschen, dort wo sich die Vögel und die Flugzeuge gelegentlich aufhalten aber möglichst noch weiter höher.
Wenn ich als Toter begraben werde, mache ich die Erde fruchtbar, für neues Leben …sehr nützlich! Wenn ich verbrenne, steigt mein Rauch ins All, dorthin wo sich besagte Vorstellungen schon eingefunden hatten … frei, leicht, gedankenlos zu sein.
Will ich nun verrauchen oder verfaulen? Soll noch ein Vogel an mir „zudeln“* können, oder nur der Wurm, dem es vergönnt ist erfolgreich auch unter der Erde zu verweilen und indem er ein Loch in mich bohrt, sich nährt, meinen nützlichen Zerrfall beschleunigt?
Will ich über der Erde austrocknen gut verpackt oder im Fluss treiben, aufgeschwemmt bis ins offene Meer, um wogend zu versinken? Das Meer kann furchtbar tief und finster sein- sagt man!
Mumie, Flussleiche, Fischfutter sein, oder in einer Bretterkiste liegen aus gehobelten duftendem Holz, vergraben gut aufgehoben für gewisse Zeit, fast wie im Bett!? Oder eine Fackel sein, die anderen den Weg zeigen könnte und sich dabei verzehrt, niemandem im Wege herumliegen würde danach, oberhalb wie unterhalb!
Also, wie sieht nun alles aus von unten, wie von oben- wenn ich tot bin?
Wie fühlt sich das Nichts an, schwarz, eng, stumm, oder blendend Licht, warm?
Muss ich wirklich tot sein, um dies erst zu verstehen?!
Mein Vater, der Bauer, hörte das Gras wachsen und wurde unruhig für die Ernte, den baldigen Schnitt. Nun liegt er dort, wo er sonst fleißig ackerte, liegt auf einem Fleck mit seinen Vorfahren und vorausgestorbenen Frauen. Sie mögen sich alle recht gut vertragen untereinander und das sie der große schwere Stein darauf nicht zu sehr drückt?!
Denn es waren schon zu Lebtag der Mühen genug.
Mein Vater der Bauer kam nicht vom Acker los und weltreiste mit dem Traktor übers gottanvertraute Feld. Sein sehnen aber, galt immer dem Himmel. Egal wo sich dieser auch versteckt haben mag, … er wird ihn wohl gefunden haben?!
*zudeln = zupfen, ziehen, picken, zerren



...einen Tag danach (Geburt von Lilo Marie - eine nüchterne Betrachtung)
April 2007

Um es gleich vorweg zu nehmen – ich war dabei, bei diesem Sturmesbrausen der menschlichen Naturgewalten. Genauer gesagt, bei den aufkommenden Stürmen im Bauch einer werdenden Mutter- den Zukunftswehen. Und dieses „Unwetter“ begann eben jetzt hier über uns zu kommen. Dabei hatte ich noch am meisten Glück. Ich war nur der Vater. Was ich eingefädelt hatte, musste die arme „fast Mutter“, jetzt mehr oder weniger allein wieder hinaus schieben. „Es“ war nur etwas größer geworden in der Zwischenzeit, hatte Arme, Beine, einen Kopf mit allen Einzelteilen bekommen. Das hat sich nach der Geburt bestätigt. Was heißt allein, eine Fachkraft (Amme) und eine Hilfskraft (ich) waren am Rande des Urmeeres der ewigen Kreisläufe, in diesem Fall die Geburtswanne der Frauenklinik versammelt. Von den dort freigesetzten Überlebenskräften der Mutter in Seenot, gelangte nur ein kleiner Teil per Würgegriff zu mir. Ein anderer Teil der Sturmeswehen gelangte auf die andere Seite über den Rand des Gewässers in den erfahrenen Handschlag der Heb – Amme. Diese erfahrene Kapitänin heranrollender Wellenberge sollte die Seenot lindern. Dazu war sie da. Sie sollte die strampelnde Schiffsfracht sicher heben, um sie ans Land zu ammen.
Ein recht stilles Kind war es dann, sagte nur das notwendigste als es heraus kam –Pflichterfüllung, begnügt sich mit Ignoranz, schließt gleich wieder die Augen und verschläft die ganze Nachgeburt.
Was habe ich gelernt?

Gebären ist nicht leicht, ist richtig Arbeit, vor allem für die „Gebärmutter“. Das Kind würde dazu auch noch etwas sagen können, wenn es könnte. Aber es kann noch nicht viel sagen. Es beherrscht noch nicht die richtige Sprache um seinen Eltern verständlich zu machen, was es geleistet hat. Doch ich habe es ja bei der „Nachwuchsmama“ gesehen und vor allem gehört. So schön laut und deutlich spricht sie sonst selten und hier war es weiß Gott die richtige Gelegenheit und sehr angebracht. Vielleicht kehrt diese energische Sprache ja später bei der Erziehung des Kindes notwendigerweise noch ein zwei mal wieder zurück – wer weiß das schon jetzt.

Also man denke, welche Kraft muss die „Gebärmutter“ aufbringen, welchen Druck aufbauen um zur Befreiung der Mutter vom Kind zu Gelangen. Denn, der meiste Sturm darf nicht nach rechts oder links über die Geburtsufer sich zur Fach und Hilfskraft verhettern, sich auch nicht in sirenenhaftes Heulen aus dem Mund der „Gebärmutter“ verwandeln, sondern nach unten in sich hinein gehen, damit noch weiter unten wieder etwas hinaus geht. Dort hin, müssen die Stürme verdrückt werden, wo in der Mutter ein Loch war schon immer, aber nun größer und größer wird und gleichzeitig total verstopft.
Jetzt stellt es sich heraus, was man hätte schon ahnen können. Das körpereigene „Etwas“ in Kugelform von außen sichtbar – ist ein „bedrohlicher Fremdkörper“.
Ein „Mitesser“, der sich in der Mutter groß gefressen hat und sie jetzt auch noch komplett verstopft. Er zwingt die „Gebärmutter“ durch Schmerzen- sich, die „Ausgeburt“, auszugebären in die Welt.

Als Mann steht man daneben und wundert sich nur, was daraus geworden ist – aus diesen kurzen Momenten der freudigen Begeisterung einige Monate zurückerinnert. Es ist eine große Anstrengung ein großer Schmerz geworden, der zum Glück sein vorläufiges Ende hat. Ja ich bin mitschuldig daran. Ich bin der Säemann – der Schmerzensmann.
Warum sich eine Frau so etwas wünscht, weiß ich nicht. Vielleicht weil sie vorher nicht weiß, was nachher kommt - wie weh es tut. Oder sie weiß es und kann diesem Urgedanken nicht wiederstehen – sagt sich, ich will auch einen kleinen „Fremdkörper“ in meinem Bauch züchten, einen „Auswuchs“, einen „Nachwuchs“ haben. Ich will ihn mitessen lassen von innen und danach von draußen. Und wenn der „Mitesser“ später schreit, will er noch kostenlos mit Liebe belohnt werden dafür.

Was für ein Moment, wenn Mutter und Vater das Kind anschauen und es nicht wieder erkennen. Was hat es sich erlaubt, anders auszusehen, als jeweils den unterschiedlich vagen Vorstellungen der Erzeuger zu entsprechen.
Man erkennt es nicht wieder, obwohl man es so direkt noch nie gesehen hat?!
Und die Mutter auch nicht. Die ganze Figur ist versaut. Da helfen auch die ganzen Sprüche kurz vor den „Sturmeswehen“ nichts – „Ich will kein Kind“ – „Ich tu es nie wieder“- und andere Parolen imaginärer Fluchtversuche.
Der Mann behält seine Figur zum Glück.

Und dann, wenn das Kind einmal da ist, bleibt es auch da! Es verliert gleich nach der Geburt seine Selbstständigkeit und darf nun selbstverständlich, vor allem die Mutter zunächst betreffend, mit allen möglichen Wünschen nerven. Und es bleibt auch nicht mehr so auf dem Fleck. Das ist allgemein bekannt. Bald muss man ihm als erwachsener „Aufsichtsbevollmächtigter“, „Überwachungsbefohlener“ hinterher laufen oder es gar suchen.
Aber zunächst ist es erst einmal nur da und die Menschen haben wieder einen Vertreter ihrer Art mehr. Die Mutter und natürlich auch der „Säemann“ haben nicht nur ihren Stammbaum erhalten und gekreuzt, egal ob die Verwandtschaft das toll findet, nein sie haben einen globalen Beitrag zur Erhaltung der eigenen Rasse Mensch geleistet, eine elementare gesellschaftliche Pflicht erfüllt!
Und die Eltern und Verwandten, wenn sie sich dafür interessieren, haben ein schönes Spielzeug – was sich noch dazu von allein bewegt und dem man alles Gute antun darf, ohne das es sich richtig dagegen wehren kann.
Aber das liegt noch etwas in der Zukunft.

Zunächst muss die Milchproduktion der geretteten Jungmutter funktionieren, dass der nunmehr externe „Mitesser“ an Größe und Lebendigkeit zunehmen kann um dann auch entsprechend auf die Nerventätigkeit aller in hörweite befindlichen Miterdbewohner energischer einwirken zu können.
Die Rache der Mutter ist auch schon fast fertig gestrickt. Sie zieht es nicht nur auf, sondern vor allem- an, wie sie will.
Harte Zeiten für ein Kind, das nicht selbst befehlen darf, wie angezogen es rum- liegen,
-krabbeln und -stehen darf.

Aber waren wir nicht alle einmal etwas klein und haben es überlebt.



Klebemenschen
Januar 2003

Wenn die Liebe zum andern - erloschen
Wenn die Neugier satt geworden - schon lang
Wenn die Bequemlichkeit langweilt - ohne Mut
Wenn beliebig und fremd zwei nebeneinander gehen - allein
Wenn sie sich nicht und wenn sie verstehen - nichts ändert sich
Wenn die Worte ersticken in Wut - laut
Wenn uns nur der vielen Jahre Tage verbinden - noch
Wenn die Leidenschaft dem Anspruch weicht - unaufhaltsam
Wenn ich neben dir liege - einsam wach Wenn unsere Gesichter morgens erwachen - leblos

Dann suchen die Gedanken Wege - neu
Dann laufen Füße auf neuen Wegen - fort
Dann kleben wir nicht mehr fest aneinander - am selben Ort.



Ein Schmetterling

Dezember 2002

Ein Schmetterling lässt von sich hören neben mir am Fenster. Flattert auf der Stelle hart auf Glas. Draußen ist das Licht. Draußen ist Kälte. Weich klatschend, beharrlich ist sein Fleh'n. Für einen kurzen Augenblick Freiheit, Weite, Himmelshöhe - schlagen seine Schwingen weiter in meinen warmen Händen - bis sie sich öffnen. Dann steigt er auf in seinem irren Flug über die kahlen Apfelbäume.

 



Heute Nacht
29.01.2002

Heute Nacht hatte ich einen bösen Traum. Heute Nacht wurde der Baum meiner Kindheit gefällt. In seinen ausladenden ästen standen wir Buben und schnitten unsere Initialen in die Rinde. Es war ein Ahornbaum in Nachbars Garten. Er war riesengroß und jedes Stück in die Höhe klettern, ließ auch unsere Herzen höher schlagen. Im klettern, schwanken, umklammern, gleiten am Duft der Rinde entlang, macht er uns zu Kinderhelden an seinem riesigen Leib empor. Und seine Samenpropeller, die in die Tiefe surrten, klebten wir ins Gesicht, verlängerten unsere Nasen. Jeder Meter Abstieg war Rettung und Stolz vor dem bezwungenen Riesen, der unseren Mut so sehr wachsen ließ. Nun sah ich dort ein freies Feld, karge Haldenlandschaft, ein weites offenes Loch. Es war so leer an dieser Stelle, wo sein Blättervorhang Himmelsräume füllte, so weit und leer, dass meine Traurigkeit unendlich tief, wie gestohlene Kindheit war. Einsam erwachend, tief und tiefer in meinem Bett versunken, vermisste ich sein grünes Versteck. Am Tag darauf besuchte ich das Haus meines Vaters und den Ort meines Traumes. Der Riese steht noch an seinem Platz. Er ist nur etwas kleiner geworden.

 



Frühlingsgewitter

Reiß auf das Fenster für Hände und Nas', um ins Getöse sie zu strecken. So klatscht's auf die Haut die fetten Tropfen. Der Himmel verschüttet den Lohn für durchbrachte schwüle Atemnot. Gepeitschte Heere gläsriger Perlen, stürzen in langen zerstückelten Ketten vor mir ab. Ein heilsamer Aufruhr erregter Vogelstimmen liegt in der Luft. Und eilig schwirren die Pfeifer einem Unterschlupf zu. Tief atmet alles Leben, ich fühl's in Dankbarkeit. Auch zu mir durch die offenen Flügel, entfesselt vom Staub, dringt der reine Dunst - ein süßer Hauch. Dazwischen zuckt Kobold- Blitz, ganz kurz und quer, bis er ergrollt im selben Feuerwerk und donnernd in die Ferne poltert. Es tönt ein volles Orchester mit Wucht, eine Orgie höchster Gewalt, Klänge gemischt von unsichtbaren Zeremonienmeistern, die sich jagen im Wiederhall. Wie ein Baum, der seine Blätter gleich Bettlerhänden streckt, so wird wach mein Gemüt unter den Streichenden Schauern, die mich ins Freie ziehen.

 



Begierte

Du rasendes Tier, zuckendes Fleisch, Besäufnis der Sinne. Liegt dein Bändiger, die Vernunft, erst in Ketten, tobst du mit rücksichtsloser Einfältigkeit. Du Dammbruch - deine Stärke ist das Nehmen, auch Unschuldiges Besudeln mit höchster Wonne oder, den Makel nur vervielfachen. Selbstzweck ist dein Lachen. Schöngetue und Täuschung bekleidet deinen Raub, bis auf den Gipfel der nackten Gewalt. Pirat paradiesischen Höhenflugs - in höchster Höhe steigst du aus, fliehst und schickst dafür den Ekel, die Klage, die beide gut genug für eine Bruchlandung sind. Irriger Draufgänger, du allein bringst nicht das Glück.

 



Eine Geschichte mehr!
02.10.1990 Zur Beerdigung der DDR

Zu Grabe trägt das Volk ein Missverständnis mit hohem Grad an Wissenschaftlichkeit, versteinertem Geist von längst erstarrter Lehre, Hypnotikum wertvoller Lebensjahre - zu groß die Kluft zur Wirklichkeit. Getragen im Sarg, die Grenzen der Erziehbarkeit - zum Menschenbild dem Guten. Nur überdruss und Einerlei im Kampf um aufdiktierte Ideale, die längst verzerrt - grotesk als Masken aufgestellt. Hammer, Zirkel, ährenkranz - Entehrtes Ehrenzeichen der Trennung mitten durch ein schuldgestraftes Land. Es brach der Freiheitswahn die Sühne und den Damm der Angst - zu dem das Zeichen aus den drei eitlen Farben. Ungewisser Trauerjubel tönt im Arbeiter - und Bauernstaat. Vom Gleichschritt in der großen Runde - getarnt als Fortschritt der Entmündigten - der Stolpersprung zu längst gekannten Möglichkeiten und dann vielleicht - zerbrochener Illusion. Menschen ändern sich selten - im Grunde nie! Menschen verändern Verhältnisse - und verhalten sich entsprechend! Verhältnisse wiederum, ändern Menschen - zu mehr oder weniger Menschlichkeit!

 



Weiter oben ... !
18.01.2000 Hermsdorf

... ducken sich die Menschen, nach vorn gebeugt drängen schwarze Schattengespinste ( gejagt, angeblasen ) getrieben vom Schnee ( im jagenden Schneetreiben ). Als ob sie unten durchkriechen wollten auf ihren Wegen unter dem eisigen Wind. ... dass sie nicht brechen, wie die Bäume auf dem Kamm, ihren Kopf verlieren und zu Krüppel werden. Die Hände halten den Schlitz am Mantel zu, den Arm vor Nase und Mund, das nichts vereist und erstarrt und splittert. Die Angst nicht mehr von der Stelle zu kommen treibt sie panisch verweht zum nächsten Unterschlupf zur schützenden Wand. Geknickt steht später nur die Kiefer auf der Höhe.

 



Im Garten !
März - Beobachtungen - 1994

In Sonnenlicht getaucht, seh' ich die Krokusse steh'n, in Haufen zu Dottergelb und zartem lila - weiß. Wie kleine stolze Königreiche, gescharrt nach Färbung ihrer Tracht. Prächtige Herrschaften dem Himmel offen, umgeben von grünen Lanzenspitzen. Heerlager von Kriegern durchstießen das Reich der finsteren Kruste, verließen die Wiege ihres Keims, ein weichgewordenes Land. Passierten dann ganz heimlich still, doch eilig, genau zu ihrer Zeit, das zähe Laub der Buche was braun vom letzten Herbst, aus hohem Wipfel abgestürzt, verbeult und eingekrümmt am Boden klebt. Und einige der Blätterfliegerleichen, in ihrer Fäulnisruh' gestört, sind gleich von drei, vier Schwerterklingen aufgespießt. Durchbort und hochgerissen, verließen sie ihr Massengrab. Dort oben hängen sie, schon brüchig, indianisch aufgebahrt, in strammen saftig - grünen Lanzensproßen eingespannt. Der Wind vielleicht verbläst sie später erneut zurück auf's feuchte Erdengrab. Zäh sind sie, die Blattgerippe und werden wohl die bunten Völkchen überdauern. Noch winken die königlichen Kronen stumm ihren Dienern zu, als ob sie sich regen aus ihrer Schönheit Kraft und nicht vom lauen Wind, der an ihren zarten Glockenkleidern zupft. Gesenkten Hauptes steht ein anderes, früheres Volk, in traurig - schmutzigem Weiß verblühend nachdenklich daneben.

 



Grund zu leben
03.09.1989

Stell dich in den strömenden Regen, geh durch einen dunklen Wald - und du spürst das du lebst.
Schau in Kinderaugen, verschenke tausend - oder nur einmal dein Herz - und du erkennst wie wertvoll du bist.
Schlägst du wild um dich, oder leidest du bitteren Schmerz - auch das wird Leben genannt.
Vergiss nie, in dich hineinzulauschen, dich emporzuschwingen zu Gott - danach beginne mit neuer Kraft.

 



Ein Moment

Der Moment des Verlassenseins, der in sich selbst erstickt - ohne freudigen Ausblick. Wo Signale vorbeistreifen, wie ein Anker in der Tiefe den Halt nicht findet. Was bleibt ist eine irrende Seele deren Ansprüche nur Einsamkeit hervorbringen, um sich darin zu verlieren.